Die 9 Stufen der Eskalation nach Glasl.
Wie aus einem Sachproblem ein Beziehungskonflikt wird — und aus einem Beziehungskonflikt ein Systemproblem.
Ein Modell als Diagnosewerkzeug
Es beginnt harmlos. Zwei Kolleginnen haben unterschiedliche Vorstellungen, wie ein Projekt anzugehen ist. Sechs Monate später ist die Zusammenarbeit zerrüttet, eine der beiden krank, das Projekt im Rückstand.
Friedrich Glasl, österreichischer Konfliktforscher, hat diesen Prozess präzise beschrieben: die neunstufige Eskalationsdynamik. Das Modell ist kein theoretisches Konstrukt — es ist ein Diagnosewerkzeug. Wer weiß, auf welcher Stufe ein Konflikt steht, kann die richtige Intervention wählen.
Phase 1: Win-Win — Lösung noch möglich (Stufen 1–3)
Stufe 1: Verhärtung. Standpunkte prallen aufeinander und verhärten sich. Noch keine fixen Lager. Beide Seiten glauben: „Das klären wir im Gespräch.“ Gefährlich, weil diese Stufe so normal wirkt.
Stufe 2: Debatte. Man hört zu, um zu antworten — nicht um zu verstehen. Die Kommunikation wird zum Ping-Pong.
Stufe 3: Taten statt Worte. Fakten werden gesetzt. Der andere wird vor vollendete Tatsachen gestellt. Parteien bilden sich.
Auf diesen drei Stufen reicht oft eine gute Moderation oder ein klärendes Gespräch auf Basis von Interessen.
Jede Eskalationsstufe macht die vorherige schwerer rückgängig zu machen. Wer früh interveniert, hat mehr Optionen.
Phase 2: Win-Lose — jemand muss verlieren (Stufen 4–6)
Stufe 4: Koalitionen. Verbündete werden gesucht, Feindbilder konstruiert. Das Gegenüber wird zur Verkörperung des Problems.
Stufe 5: Gesichtsverlust. Öffentliche Bloßstellung. Die andere Seite soll moralisch diskreditiert werden.
Stufe 6: Drohstrategien. Forderungen werden mit Drohungen untermauert. Die Spirale dreht sich schneller.
Hier braucht es professionelle Mediation. Moderation allein reicht nicht mehr.
Phase 3: Lose-Lose — Vernichtung als Ziel (Stufen 7–9)
Ab Stufe 7 ist das Ziel nicht mehr die eigene Lösung — sondern die Niederlage des Gegenübers, auch auf eigene Kosten. Mediation hilft hier den Beteiligten, schrittweise wieder in die Handlungsfähigkeit zu kommen. Eile ist geboten, denn nicht selten sind auch Unbeteiligte von den Auswirkungen des Konflikts betroffen.
Was das Modell für Führungskräfte bedeutet
Die meisten Konflikte werden zu spät erkannt — wenn sie bereits Stufe 4 oder 5 erreicht haben. Wer das Glasl-Modell kennt, erkennt früher, wann Handlungsbedarf besteht. Und wählt die richtige Intervention.
Wo steht Ihr Team?
Der Team Performance Check zeigt, ob Ihr Team Leistung bringt oder sich selbst ausbremst.








