Mit wem sprechen Sie über Ihren Konflikt?

Konfliktmanagement · Führungspraxis

Mit wem sprechen Sie über Ihren Konflikt?

Führungskräfte sind in Teamkonflikten oft allein, und dafür gibt es gute Gründe.

Michel Bieler-Loop2 Min. Lesezeit

Zwei Mitarbeitende in Ihrem Team reden seit Wochen nur noch das Nötigste. Sie haben es bemerkt und ein Gespräch geführt. Verändert hat es wenig. Inzwischen beschäftigt Sie die Sache auch auf der Heimfahrt.

Mit wem besprechen Sie das eigentlich?

Warum Führungskräfte Konflikte allein tragen

Wer in einer Führungsrolle über einen Teamkonflikt sprechen will, stellt schnell fest, dass jede naheliegende Adresse einen Haken hat.

Nach oben zu gehen, fühlt sich an wie ein Eingeständnis, das eigene Team nicht im Griff zu haben. Kolleginnen und Kollegen auf derselben Ebene stehen oft selbst in Beziehungen zu den Beteiligten oder konkurrieren um dieselben Ressourcen. Die Personalabteilung ist eine Möglichkeit. Ein Gespräch dort kann aber einen formalen Prozess anstoßen, den man gar nicht will. Und zu Hause hört jemand geduldig zu, kennt die Menschen aber nicht und ist verständlicherweise auf Ihrer Seite.

Jeder dieser Gründe ist nachvollziehbar. Sie führen dazu, dass viele Führungskräfte ihre Konflikte allein durchdenken.

Was das Alleindenken mit dem Konflikt macht

Wer einen Konflikt nur im eigenen Kopf bearbeitet, dreht sich schnell im Kreis. Die erste Deutung der Lage manifestiert sich, weil niemand sie in Frage stellt. Oft wird dabei eine Person zum eigentlichen Problem, und das ganze Bild dahinter gerät aus dem Blick.

Eine Führungskraft ist nie nur Beobachterin eines Teamkonflikts. Sie verteilt Aufgaben, setzt Prioritäten und reagiert auf die eine Person anders als auf die andere. Damit ist sie Teil des Systems, in dem der Konflikt entsteht.

Dann die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt. Wie weit ein Konflikt bereits eskaliert ist, lässt sich aus der eigenen Betroffenheit heraus manchmal schwer einschätzen. Das führt zu zwei typischen Fehlern: Man greift zu früh zu schweren Mitteln oder wartet zu lange darauf, dass sich die Sache von selbst erledigt.

Was eine externe Perspektive leisten kann

Ein Gegenüber von außen hat keine eigene Agenda und keine Loyalitäten im Team. Und es muss mit dem Ergebnis nicht weiterarbeiten. Das ist weniger banal, als es klingt, denn genau diese Eigenschaften fehlen allen internen Gesprächspartnern.

In einem solchen Gespräch geht es nicht darum, Ratschläge zu bekommen. Wichtiger ist, laut denken zu können und dabei die richtigen Fragen gestellt zu bekommen. Wo steht der Konflikt? Was ist Ihr eigener Anteil daran? Welche Möglichkeiten haben Sie, und welche davon passt jetzt?

Michel Bieler-Loop

Mediator, Supervisor und Coach in Konstanz. Begleitet Führungskräfte und Teams im Mittelstand bei Konflikten und lehrt Konfliktkompetenz im Management an der HTWG Konstanz.

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