Moderieren, entscheiden oder raushalten?

Konfliktmanagement · Führungspraxis

Moderieren, entscheiden oder raushalten?

Im Teamkonflikt stehen einer Führungskraft drei Rollen offen. Welche passt, hängt weniger vom Temperament ab als von der Lage.

Michel Bieler-Loop2 Min. Lesezeit

Zwei Teammitglieder streiten über Zuständigkeiten. Beide kommen zu Ihnen, jeder mit seiner eigenen Version. Beide Versionen klingen plausibel, und beide erwarten, dass Sie etwas tun.

Offen ist nur, was Sie tun.

Drei Rollen

In Teamkonflikten stehen Führungskräften im Kern drei Rollen offen: entscheiden, moderieren oder sich bewusst raushalten. Jede davon ist in bestimmten Situationen richtig. In anderen kann jede davon Schaden anrichten.

Entscheiden

Wenn es um Zuständigkeiten, Ressourcen oder Prioritäten geht, liegt die Entscheidung oft ohnehin bei der Führungskraft. Ein Konflikt, der aus einer ungeklärten Rolle entsteht, lässt sich nicht moderieren. Er muss geklärt werden.

Die Kehrseite: Wer einen Konflikt per Entscheidung beendet, kann auch einen Gewinner und einen Verlierer kreieren. Gelöst ist der Konflikt dann nicht – auch wenn er zunächst vom Tisch ist.

Moderieren

Moderation passt, wenn beide Seiten grundsätzlich an einer Lösung interessiert sind und sich ihre Interessen vereinbaren lassen. Die Führungskraft verantwortet dann den Prozess und lässt die Ergebnisverantwortung bei den Mitarbeitenden. Wie ein solcher Klärungsprozess aufgebaut sein kann, beschreibe ich in einem eigenen Artikel.

Neutral ist die Führungskraft dabei nicht. Sie bewertet Leistung und verfolgt eigene Ziele. Sie kann aber eine allparteiliche Haltung einnehmen und allen Beteiligten mit der gleichen Aufmerksamkeit begegnen.

Sich heraushalten

Manche Konflikte gehören den Beteiligten. Wer bei jeder Reibung eingreift, nimmt dem Team die Möglichkeit, selbstständig Lösungen zu finden. Und er sendet unausgesprochen die Botschaft: Ihr könnt das nicht.

Sich rauszuhalten heißt allerdings nicht wegzusehen. Es heißt, zu beobachten. Ab einem bestimmten Punkt ist diese Rolle keine Option mehr: wenn Arbeitsergebnisse leiden, sich Lager bilden oder einzelne Personen unter Druck geraten.

Woran sich die Wahl orientiert

Drei Fragen helfen bei der Einordnung:

  • Worum geht es eigentlich: um die Sache, um Rollen oder um die Beziehung?
  • Wie weit ist der Konflikt eskaliert? Geht es den Beteiligten noch um die Sache, oder darum, recht zu behalten?
  • Welche Rolle spielen Sie selbst?

Die letzte Frage ist die unbequemste. Wer selbst Teil des Konflikts ist, kann weder glaubwürdig moderieren noch unbefangen entscheiden.

Michel Bieler-Loop

Mediator, Supervisor und Coach in Konstanz. Begleitet Führungskräfte und Teams im Mittelstand bei Konflikten und lehrt Konfliktkompetenz im Management an der HTWG Konstanz.

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